- 70er Jahre - Abriss

Seit März 2006 steht die "Westliche Riederwaldsiedlung" als Gesamtanlage unter Denkmalschutz. Gemäß § 2 Abs. 2 (2) sind Kulturdenkmäler Straßen-, Platz- und Ortsbilder einschließlich der mit ihnen verbundenen Pflanzen, Frei- und Wasserflächen, an deren Erhaltung insgesamt aus künstlerischen oder geschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht (Gesamtanlagen). Nicht erforderlich ist, daß jeder einzelne Teil der Gesamtanlage ein Kulturdenkmal darstellt. In der Liste der Hess. Denkmäler http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/ kann man nach einzelne Adressen in der Riederwaldsiedlung suchen - wie z.B. Max-Hirsch-Straße 55 aber auch die Pestalozzischule (Vatterstraße 1), Engelsplatz oder die alten Häuser am Erlenbruch. _____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

70er Jahre - rücksichtsloser Abriss ganzer Straßenzüge
ab Johanna-Tesch-Platz bis Rümelinstraße

 

Alle Planungsdezernenten der Stadt Frankfurt haben sich seit den 1970er Jahren mit der Riederwaldsiedlung befasst und sich für ihren Erhalt eingesetzt. Bereits der Planungsdezernent Dr. Hans Küppers, CDU und sein Nachfolger Dr. Martin Wentz, SPD, dessen Nachfolger Edwin Schwarz, CDU und nun Olaf Cunitz, Die GRÜNEN im Römer haben immer wieder – mit großem Entgegenkommen – versucht, mit der Genossenschaft eine Einigung zu erzielen.


In den 70er Jahren wurden ganze Straßenzüge entlang des Erlenbruchs abgerissen und durch Hochhäuser bzw. moderne 3-stöckige Mietshäuser, die dazugehörigen Spielplätze und Tiefgaragen und eine große Seniorenwohnanlage ersetzt. Die Riederwälder, die hier als junge Familien eingezogen waren, waren nun alt geworden und sehnten sich nach mehr Komfort. Sie freuten sich auf die Bequemlichkeiten wie eine Zentralheizung, einen Aufzug, den Komfort, den die neuen Häuser boten. Sie waren die Kohleöfen, die kalten Fussböden, die zugigen Wohnungen mit den undichten Fenstern leid. Die erste Abrisswelle wurde daher von einem großen Teil der Riederwälder begrüßt.

Viele von ihnen zogen in die neu erbaute Seniorenanlage.  Die Begeisterung legte sich allerdings schnell. Die Mieten waren sehr viel höher als in den alten Häusern und - es gab keine eigenen Gärten, keine Mansarden und zusätzlichen Platz unter dem Dach mehr. Die alten Wohnungen waren klein und vernachlässigt, die Riederwälder hatten eine Menge Geld in ein bisschen Komfort stecken müssen, doch nun stellten sie fest: sie hatten auch andere Qualitäten - sie boten mehr zusätzlichen Platz als die modernen. In den Hochhäusern war das Zusammenleben sehr viel schwieriger als in den kleinen Wohneinheiten mit gerade einmal 3 Parteien im Haus. Auch die modernen 4-stöckigen Flachdachhäuser mit jeweils drei Parteien auf einem Flur - waren für die alten Riederwälder eine große Umstellung, so dass die Begeisterung für die neue Häuser und deren Annehmlichkeiten bald verblasste. Es wohnten nun mehr Menschen im Riederwald - vor allem in den Hochhäusern des sozialen Wohnungsbaus - mit bisher nicht gekannter Gewalt und Vandalismus.

 

Unten die Planungsskizze der Gebr. Hundt von 1900, die detailliert die einzelnen Häuser und Straßenzüge aufzeigt:
oben links der RiederWALD - unten rechts der "Erlenbruch" - zur Erschließung der neuen Siedlung geplant -
eine kleine beschauliche Straße, auf der - wie Erika Schelbert berichten kann - die Kinder spielten und hinter dem Pferdewagen des "Eis Günther" herliefen, um ein kleines Stück Eis der anzuliefernden Eisstangen zu ergattern.
Bald schon führt auch eine Straßenbahnlinie in den Osten - der Erlenbruch bis in die 50er Jahre eine kleine
beschauliche Straße umstanden von Pappeln. Mit der industriellen Produktion von Autos ab Beginn des
20. Jahrhunderts bis zur Entwicklung eines "Volkswagen" sind Autos noch selten - ist Deutschland trotz seiner Bereiche mit Schwerindustrie im Ruhrgebiet, Schlesien und Saarland ein noch überwiegend agrarisch geprägtes Land - auch in Frankfurt sind Pferdestrassenbahnen, Pferdefuhrwerke eher die Regel. Unvorstellbar, dass aus dieser kleinen Zufahrt zu einer neuen Siedlung 100 Jahre später einmal eine Stadtautobahn werden soll ...


Die unterste Straßenzeile von links nach rechts unten - der Erlenbruch in der ursprünglichen Planung
Das waren die Häuser, die zuerst - ab 1910 gebaut worden waren. Das gesamte Gebiet vom (heutigen) Johanna-Tesch-Platz - damals Schulze-Delitzschplatz - bis zur Rümelinstraße wurden auf der Breite bis zur Schulze-Delitzsch-Straße vollkommen abgerissen.

Stattdessen entstand eine völlig neue Raum- und Grundstücksaufteilung mit bis zu 10-stöcigen Hochhäusern,  3-4-stöckige Flachdachbauten
und einer riesigen Seniorenwohnanlage (von der Schulze-Delitzsch-Straße, Rümelinstraße bis zum Erlenbruch). Die bisherige Grundstruktur
der Straßen wurde zerstört, heute kennt niemand mehr die Namen der kleinen Seitenstrassen und weiß nicht, wo sie verlaufen sind.

s. auch Die Gärten in alten Ansichten
 

 

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