- Opfer für die Sanierung

Seit März 2006 steht die "Westliche Riederwaldsiedlung" als Gesamtanlage unter Denkmalschutz. Gemäß § 2 Abs. 2 (2) sind Kulturdenkmäler Straßen-, Platz- und Ortsbilder einschließlich der mit ihnen verbundenen Pflanzen, Frei- und Wasserflächen, an deren Erhaltung insgesamt aus künstlerischen oder geschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht (Gesamtanlagen). Nicht erforderlich ist, daß jeder einzelne Teil der Gesamtanlage ein Kulturdenkmal darstellt. In der Liste der Hess. Denkmäler http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/ kann man nach einzelne Adressen in der Riederwaldsiedlung suchen - wie z.B. Max-Hirsch-Straße 55 aber auch die Pestalozzischule (Vatterstraße 1), Engelsplatz oder die alten Häuser am Erlenbruch. _____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Opfer bringen für die Sanierung - der Neubau macht sich breit

Grundgestaltungselement der Siedlung sind die verschieden großen separat stehenden Häuserblocks -
drei oder auch fünf Häuser mit drei bzw. fünf Eingängen. In jedem der Häuser wohnen jeweils drei Parteien.

Das ist - gerade weil später die zwei- und mehrspännigen Hauseingänge üblich wurden - ein sehr großes Privileg der Riederwaldsiedlung: sie ist in kleine überschaubare Wohneinheiten aufgeteilt. Die Nachbarschaft ist eng und nah und doch hat jede Partei ihre eigenen Bereiche.

Vor den Häusern, zwischen und hinter den Blocks liegen die Gärten,
die verschiedenen Gartenbereiche waren traditionell bestimmten Wohnungen zugeteilt:
- der Vorgarten wurde von der Partei, die im Erdgeschoss wohnte, bearbeitet,
- der Garten am/neben dem Hauseingang war den Bewohnern im 1. Stock zugeschlagen,
- der Garten hinter dem Haus gehörte zum 2. Stock.

Dadurch waren breite Straßen, weite Abstände zwischen den einzelnen Blocks und hinter den Häusern möglich.
Anders als heute, wo die Verwaltung des VBS die Pflege der Gärten übernommen hat, waren bis in die siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts die Bewohner dafür zuständig. Und damit bestand auch das Recht auf die Nutzung der jeweiligen Fläche. Diese Tradition ist den "alten Riederwäldern" auch nicht auszutreiben, sie bearbeiten immer noch das ihnen zugeteilte Gartenstück und nutzen es als Erholungsfläche - im Sommer eine willkommene Ausweitung der für heutige Verhältnisse kleinen Wohnungen.

Im Zuge der Sanierung versucht die Verwaltung der Genossenschaft, die Grünflächen weitläufiger und damit weniger pflegeintensiv zu gestalten. Die Bepflanzung der bestehenden Gärten - die über die Reform der 70er Jahre hinübergerettet wurden - wird radikal entfernt, spätere Neugestaltung nach abgeschlossener Sanierung unerwünscht und nur in Ausnahmefällen genehmigt.

Als Beispiel - Vorbereitung der Sanierung der nächsten Blocks:
der Gartenbereich hinter den Häusern der Max-Hirsch-Straße und der Schulze-Delitzsch-Straße
Hier: die radikale Abholzung der Bäume und Büsche:
- einer alte japanische Kirsche - einem wahren rosa Blütenwunder im Frühjahr
- fünf inzwischen haushoch gewachsene Fichten
- drei Vogelbeeren mit bereits dickem Stamm
- einer alten knorrigen Quitte, von der im Herbst die Nachbarn die Früchte pflückten
- diversen Büschen wie Holunder, Forsythien, ...

 

Die drei Vogelbeeren - hier nur noch die Stümpfe - werden sie ersetzt und vor allem wo - durch neue Pflanzungen?!?

Pflegeleicht - viel Rasen, immergrüne Lorbeerbüsche und Ligusterhecken -
ist das die Zukunft der Gartenstadt Riederwald?

Gartenbereich zwischen Schulze-Delitzsch- und Raiffeisenstraße vor Beginn der Sanierungen

am Morgen - und am Abend:



Der mächtige japanische Kirschbaum hinter der Ladenzeile hatte selbst die Abholungsmaßnahmen im Zuge der Sanierung und der Bauarbeiten überstanden. Inzwischen waren junge Familien in die neuen Wohnungen eingezogen. Die weiße Kirsche hinter dem Nachbarhaus und der rosa Blütenschaum der japanische Kirsche blühten immer gleichzeitig - ein wahres Frühlingsfest.

Eines Tages, als die neuen Bewohner von der Arbdeit nach Hause kamen, fanden sie nur noch wenige Holzspäne vor - der große alte japanische Kirschbaum war nicht mehr. Eine Bewohnerin erzählte mir - lange später - sie habe geweint, als sie das sah.

Auch all die anderen Bäume und Büsche auf diesem Bild sind verschwunden. Der Wein an der Hauswand wird bei der
anstehenden Sanierung wohl auch abgerissen werden. Das Efeu, die Quitte, die Tannen, in denen das Käuzchen schrie,
die Hollerbüsche, die Laube, die Forsythien  -sie gibt es nur noch in unserer Erinnerung.

 

Der Neubau macht sich breit

War anfänglich noch davon die Rede, dass der Neubau auf der gleichen Grundfläche wie das abgerissene Haus entstehen sollte, so wurde schon bald klar, dass sich das "nicht rechnen" würde. Die Fläche zwischen den Häusern verringerte sich noch zusätzlich, weil zwei Parkplätze in den Vorgarten-Bereich gelegt wurden. Sie beanspruchen zum Ein- und Ausmanövrieren ebensoviel Platz wie zwei auf der Straße parkende Autos!!



Die Abtrennung zum Nachbarhaus - sonst eigentlich völlig unüblich im Riederwald, wo es wenige Grenzhecken gibt - geriet wieder zum Nachteil der alten Bewohner - ihnen bleibt vom bisherigen Garten nur noch ein schmaler Grünstreifen. Nicht nur wurde der Garten durch den größeren Grundriß des Neubaus dezimiert, die zahlungskräftigeren Mieter der Neubauwohnungen benutzen die Terrassen und haben auch den größten Anteil vom übrigen Gartenstück, die Bewohner des Altbaus wurden hinter das Haus verdrängt.

Der Vorgarten - so sah es vorher aus ...
 

 

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